Studierende der Rechts- und Sozialwissenschaften an der HU werden früher oder später in Texten, Seminaren oder Gesprächen dem Namen Carl Schmitt begegnen. Dieser gilt bis heute als renommierter Staatsrechtler und „Klassiker politischen Denkens“ (Herfried Münkler). Mit seinen Theorien zu Macht, Souveränität oder Verfassungsgeschichte erlangte er weltweite Bekanntheit, vor allem durch sein Werk Der Begriff des Politischen (1932). Gleichzeitig stellte Schmitt, zeitlebens bekennender Antisemit und Antidemokrat, seine Arbeit nach 1933 offensiv in den Dienst des Nationalsozialismus und war als führendes Mitglied des Juristenbundes unter anderem Wegbereiter der sog. ‚Rassengesetze‘ von Nürnberg. Darüber hinaus fungiert er ebenso als Stichwortgeber einer ‚neuen Rechten' nach 1945, dessen Spur sich sowohl bei der AfD als auch bei Akteuren wie dem Tech-Milliardär und Trump-Vertrauten Peter Thiel finden lässt.
Carl Schmitt ist bei weitem kein Einzelfall, immer wieder stehen problematische Autor*innen auf unseren universitären Lehrplänen, oftmals wird deren Biografie nur unzureichend eingeordnet. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern sich Wissenschaft und Lehre überhaupt mit den Gedanken von z.B. nationalsozialistischen Tätern auseinandersetzen sollten. Anders gesagt: lassen sich Autor und Werk voneinander trennen und wenn ja, bis zu welchem Punkt? Im Bezug auf Schmitt sind diese Fragen besonders interessant, da es immer wieder auch von links Anschlüsse an seine Theorien gibt, so z.B. durch die Politologin Chantal Mouffe.
Der Vortrag soll exemplarisch einen Überblick über Schmitts Werk, Biografie sowie dessen diffuse Rezeptionsgeschichte liefern und hiervon ausgehend Raum für Diskussion über kritische Formen von Lehre und Wissenschaft schaffen.
Personbeschreibung:
Janek Magister studierte Sozialwissenschaften an der HU und veröffentlichte einen Text über Carl Schmitts Der Nomos der Erde im Sammelband Schlüsseltexte der 'Neuen Rechten'. Kritische Analysen antidemokratischen Denkens (Meiering (Hrsg.), 2022).
